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Linke Geschichte

Novemberrevolution in Neukölln: Unvollendet für Friede, Freiheit und Brot

Als erstes stoße ich auf Berichte aus dem Sommer 1918: Streiks in allen Industriezweigen wegen mangelhafter Ernährung, Intensivierung der Arbeit, allgemeiner Kriegsmüdigkeit. Die Sehnsucht nach Frieden wächst.

Als erstes stoße ich auf Berichte aus dem Sommer 1918: Streiks in allen Industriezweigen wegen mangelhafter Ernährung, Intensivierung der Arbeit, allgemeiner Kriegsmüdigkeit. Die Sehnsucht nach Frieden wächst.

Als erstes stoße ich auf Berichte aus dem Sommer 1918: Streiks in allen Industriezweigen wegen mangelhafter Ernährung, Intensivierung der Arbeit, allgemeiner Kriegsmüdigkeit. Die Sehnsucht nach Frieden wächst. Ende Oktober entsteht unter den 80.000 Matrosen und Heizern der Flotte eine Bewegung, um die Verlängerung des Krieges zu verhindern. Sie verweigern das Auslaufen der Schiffe gegen England. Mehr als 1.000 Matrosen werden verhaftet; Proteste führen zum bewaffneten Aufstand, der sich von Kiel ausbreitet.

Sturm des Polizeipräsidiums

Ich finde ein Plakat der uspd, die zu fünf Veranstaltungen zum Jahrestag der russischen Revolution am 7. November einlädt, darunter in die Passage-Festsäle (heute Neuköllner Oper). Ein guter Rahmen für Verabredungen. Und ich lese im Aufruf des Arbeiter- und Soldatenrates vom 8. November: »Auf zum Kampf für Friede, Freiheit und Brot. Heraus aus den Betrieben, Heraus aus den Kasernen! Reicht euch die Hände. Es lebe die sozialistische Republik.«

Das Mitglied des Neuköllner Arbeiter- und Soldatenrates Willy Wille berichtet vom Treffen früh am 9. November im Lokal Karlsgarten. Dort ist eine Essensausgabe für Urlauber und durchreisende Soldaten. Mit einem Demonstrationszug ziehen sie zu den in Hilfskasernen umgewandelten Schulen Neuköllns. Erstes Ziel: die Schule in der Weisestraße. Der größte Teil der 17 bis 21-jährigen Soldaten widersetzt sich den Befehlen ihrer Offiziere und schließt sich der Demonstration an. Dann geht es zur Schule in der Nähe des Rathauses und weiter zum Neuköllner Polizeipräsidium an der Erk-/Ecke Kaiser-Friedrich-Straße (heute Sonnenallee). Die Polizisten werden entwaffnet und politische Gefangene befreit. Anschließend gelingt es der Demonstration, die in der Rütli-Schule stationierte Militäreinheit zu entwaffnen. In Neukölln übernimmt der Arbeiter- und Soldatenrat die Macht – ohne einen Schuss.

Der Neuköllner Mieterkrieg

Der Arbeiter- und Soldatenrat organisiert nun das Leben in Neukölln. Ein großes Problem: die Wohnungsfrage. Mieter*innen beklagen drastische Mieterhöhungen durch die Hausbesitzer. Am 2. Dezember 1918 beschließt deshalb der Vollzugsausschuss »vorläufig zu verfügen, dass jede Mietsteigerung und alle Kündigungen sowie jede Ausnutzung der arbeitenden und arbeitslosen Bevölkerung verboten ist«. Das missfällt den Hausbesitzern. Sie rufen das alte Neuköllner Parlament aus der Kaiserzeit aus der Versenkung, um die sozialen Maßnahmen für ungültig zu erklären. Die Hausbesitzer sind dort nach dem preußischen 3-Klassen-Wahlrecht wegen ihrer Stellung als »Steuerzahler« überproportional vertreten. Die Mitglieder des Rates mobilisieren die Arbeiterschaft. Der Tagungsraum wird besetzt, die bürgerlichen Stadtverordneten müssen abziehen. Die Antwort der Regierung Ebert lässt nicht lange warten: Am 16. Dezember rückt ein Zug des in Neukölln stationierten Infanterieregiments vor das Rathaus und verhaftet zehn Mitglieder des Vollzugsausschusses. Am 19. Dezember sind die alten Neuköllner Parlamentarier wieder oben auf und halten ihre erste Sitzung nach der Revolution ab.

Ende November bis Mitte Dezember spitzt sich die Auseinandersetzung um Rätemacht oder Nationalversammlung in Deutschland zu. Stütze der SPD-geführten Regierung wird gegen die Rätemacht immer mehr das Militär, trauriger Höhepunkt ist die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Januar 1919. So wurde die Novemberrevolution eine Unvollendete.

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Linke Geschichte

»Blutmai« 1929 in Neukölln: Ein tragisches Ereignis

Der 1. Mai 1929 ist als „Blutmai“ auch in Neukölln in die Geschichte eingegangen. Er ruft die verhängnisvolle Entwicklung zur Machtübertragung an die Nazis 1933 in Erinnerung.