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Eine Ansammlung von Leuten halten bunte Masken mit einem freundlichen Lächeln in die Kamera Credit:

Mieten & Wohnen

Hobrechtstraße 59 wehrt sich!

Im März erwarb ein privater Investor das Haus in der Hobrechtstraße 59. Die Mieter*innen schlossen sich zusammen, um für die Anwendung des Vorkaufsrechts zu kämpfen – mit vorläufigem Erfolg.

Die Mieter*innen der Hobrechtstraße 59.

»Der Kernbereich unserer Tätigkeit sind die Sanierung von Berliner Altbauten und der Innenausbau von Wohnungen in höchster Qualität (...) Wir möchten einzigartige Appartements für außergewöhnliche Personen gestalten.«

Mit diesen Worten bewarb die Berliner Altbau Management GmbH ihr Geschäft auf der Firmenwebsite. Der private Investor hatte im März 2019 das Haus Hobrechtstraße 59 erworben. Das verhieß nichts Gutes. Die Mieter*innen des Hauses beschlossen daher, sich zu wehren. Ihr Ziel: Die Anwendung des Vorkaufsrechts. Um das zu erreichen, arbeiteten sie eng mit dem Bezirksamt Neukölln zusammen. Entweder wollten sie aus eigener Kraft eine geeignete Drittkäuferin finden oder erreichen, dass der Bezirk das Vorkaufsrecht durch eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft ausübt.

Bei den Aktionen wie dem »Offenen Wohnzimmer«, der Kiezkantine oder dem HOBfest wurden Politiker*innen von Bezirks-, auf Landes – und Bundesebene adressiert und – ganz wichtig – der gesamte Kiez. Außerdem waren der Hausgemeinschaft die Vernetzung mit anderen Initiativen wie der Sander 11, der Sonnenalle 154, der Schöneweider 20, der Forster 1, der Boxhagener 32, der Gneisenaustraße und der Urban67 besonders wichtig.

Die Proteste hatten Erfolg: Ende Mai übte der Bezirk sein Vorkaufsrecht aus. Neuköllnisch befragte die Mieter*innen zur aktuellen Situation. Hier ist ihr Bericht:

»Der Bezirk hat am 29. Mai. 2019 das Vorkaufsrecht durch die GEWOBAG ausgeübt. Das war ein Mittwoch. Sechs lange Tage hieß es dann abwarten, um uns sicher zu sein, das keine Abwendungsvereinbarung seitens der Investoren beim Amt eingegangen war.
Natürlich haben wir uns gefreut, vor allem waren wir erleichtert. Denn ganz vorbei ist der Prozess immer noch nicht. Mit dem Ablauf der Frist und dem Fehlen der Abwendungsvereinbarung ist erst einmal nur eine weitere Etappe im Vorkaufsverfahren geschafft, die wir mit Hilfe von Bezirk und GEWOBAG genommen haben. Das Verfahren sieht nun eine einmonatige Widerspruchsfrist für Verkäufer wie Käufer vor. Darum heißt es weiterhin abwarten und loslassen. Wir haben das Mögliche getan, jetzt liegt es nicht mehr in unserer Hand. Ende Juni haben wir endlich Gewissheit.
Rückblickend ist es kaum zu glauben, dass wir diesen zweimonatigen Ausnahmezustand überstanden haben. Mittlerweile hat uns alle der Alltag wieder, nur die Fassade ziert weiterhin das große Banner mit dem »NÖ! zu stilen H/Ausverkauf im Kiez!« Fest steht: Wir wollen uns weiterhin in der Sache engagieren. Solidarität und Herzlichkeit verbindet die Initiativen miteinander, und damit kann mehr bewegen als nur einzelne Häuser retten.
Politisch weist der Mietendeckel in die richtige Richtung. Noch wichtiger ist, den Hausverkauf im großen Stil zu stoppen, um einer langfristigen Umwandlung in Eigentumswohnungen und folglich der weiteren Verknappung von bezahlbaren Mietwohnungen entgegenzuwirken. Extrem wichtig ist zudem der Neubau von Mietwohnungen in Berlin.«

Das Interview führte Joachim Haske, BO Reuterkiez

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»Mein Herz sagt Nein«

Seit ihrer Geburt wohnt Münevver Cansever in Neukölln, seit 1999 in Gropiusstadt. Nun steht die gelernte Schneiderin und Hauswirtschafterin vor […]

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Mieten & Wohnen

»Ich bin mein Leben lang noch nicht aus einer Wohnung rausgegangen und ich werde auch jetzt nicht gehen.«

In den Jahren 1962-75 entstand im Süden Neuköllns die Gropiusstadt. Die von Walter Gropius geplante Großwohnsiedlung besteht aus rund 18.500 Wohnungen – 90% davon wurden als Sozialbauwohnungen errichtet. Bis vor Kurzem blieb dieser Stadtteil von der Verdrängung verschont. Nun beginnen auch hier Investoren und Eigentümer, die Mieten zu erhöhen. Aber viele wehren sich – wie die Urneuköllnerin Anneliese Lungewitz.

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Vom Haustürgespräch zur Mietenini

Linke sollten häufiger raus aus ihrer Blase, findet Susanne Steinborn. Deswegen organisiert sie in Gropiusstadt gemeinsam mit Mieter*innen und LINKE-Mitgliedern Widerstand gegen steigende Mieten. Über Organisierung bei Kaffee und Kuchen und Politik an der Haustür.

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Gemeinsinn als Mietmodell

Der Ausverkauf von bezahlbarem Wohnraum geht immer weiter in Nordneukölln. Zu einem unangemessen hohen Preis sollten auch die Wohnhäuser mit Gewerbeeinheiten in der Sanderstraße 11/11a an einen profitorientieren Investor gehen. Da Verdrängung drohte, wehrten sich die Mieter*innen und setzten sich für die Ausübung des Vorkaufsrechts ein.