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Krieg und Frieden

Wer von der Klimakrise redet, darf vom Militär nicht schweigen

Die Bundeswehr verursachte nach Regierungsangaben im Jahr 2018 Emissionen in Höhe von 1,7 Millionen Tonnen CO2. Das ist aber längst nicht alles, was das Militär an ökologischer Verheerung verantwortet.

Als im Juli 2019 die 700 Hektar Wald um das Mecklenburger Städtchen Lübtheen brannten, konnten sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr dem Feuer nur auf 1.000 Meter nähern. Zu groß war die Gefahr, die von explodierenden Munitionsresten auf dem Gelände des ehemaligen Übungsplatzes von Bundeswehr und Nationaler Volksarmee ausging.

Bereits im September des Vorjahres hatte die Bundeswehr durch Raketenübungen eine 1.000 Hektar große Moorfläche in Niedersachsen in Brand gesetzt. Der Boden war nach der extremen Dürre völlig ausgestrocknet und das Feuer konnte sich schnell ausbreiten. Erst nach zehn Tagen rief die Bundeswehr zivile Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung um Hilfe.

294.000 Hektar werden in Deutschland von der Bundeswehr als Übungsplätze genutzt – eine Fläche größer als das Saarland. Über die Belastung dieser Gebiete und Folgeschäden gibt es bislang keine umfangreichen Erhebungen.

Umweltschutz genießt für das Militär jedenfalls keine Priorität. In der Logik der Streitkräfte dreht sich alles um Effizienz: Einsatzziele sollen möglichst schnell und effektiv erreicht werden können. Für Rücksicht auf den Planeten und seine ökologischen Zusammenhänge ist dabei in der Regel kein Platz. Im Gegenteil besteht ein primäres Ziel aller Armeen darin, über möglichst große Zerstörungskraft verfügen. Diese dem Militär entspringende Faszination für Zerstörung wird in Filmen und Computerspielen gesellschaftlich kultiviert. So konnte beispielsweise Donald Trump damit kokettieren, in Afghanistan „die Mutter aller Bomben“ eingesetzt zu haben.

Es ist hinlänglich bekannt, dass die heute bestehenden Atomwaffen ausreichen, um unseren Planeten mehrfach zu zerstören. Aber auch die biologischen und chemischen Kampfstoffe in den Arsenalen der großen Militärmächte sind in der Lage, Mensch und Natur unermesslichen Schaden zuzufügen.

Dass das nicht nur theoretische Gedankenspiele sind, belegt das Vorgehen in vergangenen Kriegen. Man bedenke nur, wie die US-Armee in Vietnam mit dem hochgiftigen Kampfstoff Agent Orange riesige Waldflächen entlaubt hat, um dem feindlichen Vietkong Deckung und Unterschlupf zu nehmen. Bis heute sind Böden und Wasser in den betroffenen Gebieten verseucht. In der Folge werden noch immer schwer missgebildete und kranke Kinder geboren.

Auch in den jüngeren Kriegen wurden hochgiftige Waffen eingesetzt. Alleine während eines dreiwöchigen Einsatzes im Irakkrieg 2003 wurden zwischen 1.000 und 2.000 Tonnen Uranmunition eingesetzt. Gebiete damaliger Panzergefechte im irakischen Basra oder rund um Bagdad sind schwer kontaminiert. Die in Deutschland entwickelten Projektile aus hochgiftigem Atommüll sind aufgrund ihrer Masse besonders effektive panzerbrechende Waffen. Sie wurden auch jüngst wieder im Kampf gegen den islamischen Staat eingesetzt.

Aber auch die irakische Armee verursachte eine kleine ökologische Katastrophe. Als sich die Truppen von Saddam Hussein 1991 aus Kuwait zurückzogen, hinterließen sie im wahrsten Sinne des Wortes verbrannte Erde: Rund 700 Ölquellen wurden in Brand gesetzt, um den Vormarsch der US-Armee und ihrer Verbündeter zu stoppen.

Im Krieg zählt nur der Sieg. Jeder mögliche taktische Vorteil wird einer zynischen Kosten-Nutzen-Rechnung unterworfen, bei der Ökologie quasi keine Rolle spielt. Aber auch im Frieden verfügt die Bundeswehr über Zerstörungsmittel, die heute schon entwickelt, produziert, getestet, gelagert, gewartet und transportiert werden. Eine enorme und völlig sinnfreie Belastung für unsere Umwelt. Umfangreiche Abrüstung würde einen großen Beitrag für den Umweltschutz leisten, und das nicht erst im Kriegsfall.

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