Neukoellnisch Logo

Mieten & Wohnen

»Ihr müsst euch keine Sorgen machen, es bleibt alles, wie es war.«

Seit dem 16. Juli sieht sich auch die Hausgemeinschaft der Leinestraße 8 einem Schicksal gegenüber, das viele Neuköllner*innen fürchten: Ihr Haus wurde an einen Investor verkauft. Da die Leinestraße innerhalb des Nordneuköllner Milieuschutzgebiets liegt, versuchen die engagierten Mieter*innen nun, ihre wichtigste Karte auszuspielen: Mit Hilfe des in diesen Gebieten greifenden, baugesetzlichen Vorkaufsrechts wollen sie der umtriebigen Aramid Immobilien GmbH & Co KG einen Strich durch die Rechnung machen.

Der Verkauf würde keine Änderung bedeuten, das behauptetete die Hausverwaltung. Von anderen Aramid-Häusern ist aber bekannt, dass auf den Erwerb zügig Mieterhöhungen und Sanierungen folgen. Innerhalb einer zweimonatigen Frist müssen die rund 60 Bewohner*innen der Leine 8 nun mit Hilfe des Baustadtrats eine städtische Wohnungsbaugesellschaft oder eine Genossenschaft überzeugen, ihr Haus zu kaufen – und so sozial verträglichere Konditionen zu erhalten. Gelingt es, hat der Investor nur noch die Möglichkeit, sich durch eine sogenannte Abwendungsvereinbarung, in welcher er sich zu besonderen Regularien im Sinne des Milieuschutzes verpflichtet, seinen Kaufvertrag zu sichern. Ob Aramid dazu bereit wäre, ist noch ungewiss. Ein kompliziertes Unterfangen unter hohem Zeitdruck, dem sich die Gemeinschaft der Leine8 mit größtem Einsatz stellt. Denn es geht um ihr Zuhause. Zur Halbzeit der Frist traf sich Neuköllnisch mit Roberto, der seit 10 Jahren in der Leinestraße wohnt.

Wie habt ihr von dem Verkauf eures Hauses erfahren?

Von dem Verkauf des Hauses haben wir dadurch erfahren, dass erste Mietparteien hier Anfragen zur Wohnungsbesichtigung bekommen haben, vor dem Hintergrund, dass ein Hausverkauf ansteht. Zum Glück haben diejenigen, die angeschrieben wurden, nicht lang gezögert und das in der Hausgemeinschaft publik gemacht. Die Vernetzung hat dann relativ schnell stattgefunden, und ein extremer Informationsaustausch bezüglich unserer Mietverträge, Kosten, usw, folgte. Unsere Arbeitsgruppe, die mit der Bezirksverwaltung in Kontakt steht, hat die Auskunft zum Käufer herausgefunden. Die jetzige Hausverwaltung hat dazu nichts gesagt, außer: „ihr müsst euch keine Sorgen machen, es bleibt alles, wie es war.“

Wie habt ihr es geschafft, euch als Hausgemeinschaft schnell zu organisieren und euch mit einem gemeinsamen Ziel zur Wehr zu setzen?

Das schnelle Organisieren lief zunächst über Aushänge im Haus. Dort wurden zunächst E-Mailadressen eingetragen. Der Rest lief dann per Mail und Telegram-Gruppen. Wir haben Arbeitsgruppen gegründet, und uns nach Interessen und Arbeitskapazitäten freiwillig eingeteilt. Mindestens wöchentlich sind Jour Fixe-Treffen geplant, Dokumente werden herumgeschickt, Informationen ausgetauscht. Die Möglichkeit, dass die Stadt ein Vorkaufsrecht ausübt, wurde relativ schnell recherchiert und stand insofern auch recht bald als attraktive Option vor uns.

Was wisst ihr über den Käufer?

Die Aramid-”Stiftung” ist offenbar ein profitorientertes Unternehmen – mit Sitz im Steuerparadies Liechtenstein. Mittlerweile haben wir mit vielen Mieter*innen aus anderen Häusern gesprochen, die von der Aramid gekauft wurden. Leider gab es da nur schlechte Nachrichten. In einem Haus seien zum Beispiel direkt nach dem Kauf die Mieten erhöht worden. Als Folge daraus seien ca. 30% der Bewohner*innen ausgezogen. Alle frei gewordenen Wohnungen seien saniert worden. Und bei den Bauarbeiten seien die anderen Mieter*innen durch lärmintensive Arbeiten am Sonntag morgen oder abends nach 11 Uhr regelrecht schikaniert worden.

Welche Hilfestellung bekommt ihr von anderen Initiativen und Mieterorganisationen?

Da gibt es regen Austausch in alle Richtungen, mit anderen Hausgemeinschaften, aber auch mit direkt organisierten Leuten, die Ratschläge und Hilfestellungen geben. Einige Hausgemeinschaften haben wir auch eingeladen - sehr hilfsbereite Leute, die wirklich viele Informationen zu bieten haben. Eine Frau vom Berliner Mieterverein hatten wir auch vor Ort. Sie hat uns über verschiedene Gesetzeslagen wie den Mietendeckel aufgeklärt, mit uns diskutiert und abgeglichen, welche Szenarien uns drohen und welche wir herbeiführen könnten.

Am 25. August machen wir eine Kundgebung, zu der wir Politik und Presse einladen. Unterstützen kann man uns, indem man mit uns ins Gespräch kommt und mit Anwesenheit bei unseren Aktionen. Einfach dabei sein, mit uns kommunizieren, und vernetzen!

Sorry, there is no ALT-Text for this image yet.

Mieten & Wohnen

»Mein Herz sagt Nein«

Seit ihrer Geburt wohnt Münevver Cansever in Neukölln, seit 1999 in Gropiusstadt. Nun steht die gelernte Schneiderin und Hauswirtschafterin vor einem Problem: Ihr Vermieter hat eine Mietsteigung von 230€ angekündigt. Eine Neuköllner Geschichte.

Sorry, there is no ALT-Text for this image yet.

Mieten & Wohnen

»Ich bin mein Leben lang noch nicht aus einer Wohnung rausgegangen und ich werde auch jetzt nicht gehen.«

In den Jahren 1962-75 entstand im Süden Neuköllns die Gropiusstadt. Die von Walter Gropius geplante Großwohnsiedlung besteht aus rund 18.500 Wohnungen – 90% davon wurden als Sozialbauwohnungen errichtet. Bis vor Kurzem blieb dieser Stadtteil von der Verdrängung verschont. Nun beginnen auch hier Investoren und Eigentümer, die Mieten zu erhöhen. Aber viele wehren sich – wie die Urneuköllnerin Anneliese Lungewitz.

Sorry, there is no ALT-Text for this image yet.

Mieten & Wohnen

Vom Haustürgespräch zur Mietenini

Linke sollten häufiger raus aus ihrer Blase, findet Susanne Steinborn. Deswegen organisiert sie in Gropiusstadt gemeinsam mit Mieter*innen und LINKE-Mitgliedern Widerstand gegen steigende Mieten. Über Organisierung bei Kaffee und Kuchen und Politik an der Haustür.

Sorry, there is no ALT-Text for this image yet.

Mieten & Wohnen

Gemeinsinn als Mietmodell

Der Ausverkauf von bezahlbarem Wohnraum geht immer weiter in Nordneukölln. Zu einem unangemessen hohen Preis sollten auch die Wohnhäuser mit Gewerbeeinheiten in der Sanderstraße 11/11a an einen profitorientieren Investor gehen. Da Verdrängung drohte, wehrten sich die Mieter*innen und setzten sich für die Ausübung des Vorkaufsrechts ein.