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Vier Menschen sitzen in einer Reihe am Tisch. Hinter Ihnen ein Transparent der Linken Friedrichshein Kreuzberg, mit der Aufschrift sozial. solidarisch.weltoffen Credit:

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Karstadt platt und wir bezahlen? Nicht mit Neukölln!

Am 23. Januar kamen Neuköllner*innen und Kreuzberger*innen im großen Saal des Refugio Cafès zusammen, um gemeinsam das stark umstrittene Bauvorhaben der Signa Gruppe am Hermannplatz zu diskutieren. Auf dem Podium sprachen Niloufar Tajeri von der Initiative Hermannplatz, Gaby Gottwald (MdA / DIE LINKE) und der Themenexperte Andrej Holm über den möglichen Abriss des Karstadt Gebäudes und die verschiedenen Probleme, die Neukölln im Falle einer Umsetzung erwarten.

Gaby Gottwald (LINKE), Niloufar Tajeri (Initiative Hermannplatz) und Andrej Holm (Stadtsoziologe) auf dem Podium.

Ein proppevoller Saal, in dem junge wie alte Anwohner*innen diskutierten, bewies: Hinter dem gigantischen Investitionsprojekt, angestoßen von Signa-Chef René Benko, erkennen die Menschen im Viertel mehr als nur ein weiteres Luxus-Warenhaus auf der langen Liste des milliardenschweren Eigentümers. Im Einklang mit Initiativen und Politiker*innen äußern sie deutlich, welche Gefahr für die Entwicklung des Bezirks besteht. Dies nicht zuletzt aus dem einfachen Grund, dass niemand vorhersehen kann, was Benko letzten Endes am Standort realisieren will.

Zwar spricht man immer wieder von Bürgerbeteiligung, angebliche Vorschläge werden mit der Politik oder vor einer handvoll Leuten in der gescheiterten PR-Falle Hermannbox verhandelt. Über die entscheidenden Details aber schweigt der Investor, passt sie je nach Wetterlage den Trends in der Debatte an und bezirzt derweil Statdräte. Noch ist Benko in der Vermarktungsphase. Doch bekommt er erst die Genehmigung für den Bau, schreibt er sein eigenes Stück Stadtgeschichte. Wer darin die Hauptrolle spielt, ist klar.

Signa und das System Abriss

Schon zu Beginn des Abends kehrte Gaby Gottwald die Rolle des Karstadt Projekts hervor: Für den sogennanten „König von Berlin“ ist der Hermannplatz ein wichtiges Puzzlestück in der Erschließung hauptstädtischer Gewerbezentren: Der Kudamm, das Kadewe, der Mercedesplatz - überall dort, wo Menschen mit und für viel Geld einkaufen gehen, hat die Signa Holding ihre Finger im Spiel. Und das nicht nur in Berlin. Europaweit sorgt die Gruppe für teifgreifende Transformation in den Städten. Milieuschutz, soziale und kulturelle Vielfalt oder bestehende Infrastruktur interessieren dabei niemanden.

Die geplante Karstadt-Fassade, mit der Benko das verzerrte Bild eines Vorkriegsneuköllns wieder herstellen möchte, spricht dabei eine klare Sprache: Die jüngere Geschichte und Gegenwart des Bezirks haben in dieser Vision keinen Platz, so Niloufar Tajeri. Die Aktivistin nannte die Verdrängung migrantischer Gruppen und Geschäfte neben schweren Umweltbelastungen als zentrale Bedrohungen des „System Abriss“ Benkos. Das Vorhaben der Signa Gruppe, bekannt für ihre Machenschaften mit rechten Organisationen, sei der Vorstoß eines dominanten Trends sozialer Abwertung, der Modellcharakter hat. Wer am Hermannplatz lebt und einkauft, soll nur das Kapital entscheiden.

Ein uraltes Prinzip der Verdrängung

Wenn auch der globale Finanzmarkt wie allerorts in Berlin die Mietpreisentwicklung stark mitbestimmt, verwies Andrej Holm mit Nachdruck auf die Sonderrolle des Neuköllner Karstadt Gebäudes. Hier geht es um direkten Ortsbezug, es wird mit einem monumentalen Image spekuliert. Dass das jetzige Warenhaus die riesigen Profite, welche bei solch großspurigen Plänen erwartet werden, nicht abwerfen wird, ist eindeutig. Damit es sich lohnt, muss notwendigerweise ein radikaler Wandel am Standort stattfinden. Was das Stadtmarketing gerne als Aufwertung verkauft, nannte der ehemalige Staatssekretär beim Namen: ein „uraltes Prinzip der Verdrängung“.

Was aber tun? Aus dem Publikum kamen nicht nur Fragen, sondern wichtige Vorschläge für den gemeinsamen Protest in den Nachbarbezirken: Eine Aufdeckung der zwielichtigen Aktivitäten des Konzerns, eine klare Forderung an die politischen Entscheidungsgeber und nicht zuletzt eine Vernetzung mit den Karstadt-Beschäftigten. Neukölln und Kreuzberg sind sich einig: Die Stadt muss uns gehören, nicht den Milliardären!

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