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 Credit: Rabea Hoffmann

Corona

»Ich möchte wieder auf den Spielplatz«

Rabea (30) wohnt mit ihrer vier-köpfigen Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung im Harzer Kiez. Trotz der schwierigen Umstände hat sie die Zeit gefunden, neuköllnisch von den Folgen der Corona-Maßnahmen für ihre Kinder zu berichten.

Rabea Hoffmann

Schon in den Wochen bevor die Kitas geschlossen wurden, waren meine Kinder kaum dort. Wegen der zahlreichen saisonalen Erkältungsviren und Krankheitserreger, die einen das ganze Kitajahr über begleiten, sahen wir unsere Kinderärztin in dieser Zeit häufig. Mitte März rief mich das Gesundheitsamt dreimal an, um abzuklären, ob wir zeitgleich mit bestätigten Fällen von Kindern mit Coronavirus in der Praxis waren. Einmal gab es tatsächlich eine kurze zeitliche Überschneidung. Daher blieben wir, wie vorgeschrieben, bis zwei Wochen nach dem Kontakt zuhause. Symptome oder Beschwerden bekamen wir zum Glück keine.

Ich war also frühzeitig sensibilisiert und halte mich an die Empfehlungen des Berliner Senats zur räumlichen Distanzierung von anderen Menschen. Der physische Kontakt zur Nachbarstochter wurde eingestellt. Mein Sohn unterhält sich manchmal laut rufend mit ihr von Balkon zu Balkon. Unsere Wohnung ist klein. Drei Zimmer für vier Personen. Der Vater arbeitet Vollzeit im Home-Office. Ich musste meine Arbeitszeit reduzieren.

Bewegung und Spielen an der frischen Luft bringen Entlastung für alle. Solange es möglich war, ging ich am frühen Vormittag mit den Kindern auf den nahegelegenen Spielplatz. Manchmal waren auch andere Eltern und Kinder da. Es ist nicht so schwierig, ausreichend Abstand zu halten. Mein Vierjähriger versteht das schon. Denn das Coronavirus kann nicht weit springen. Durch Abstandhalten und viel Händewaschen stecken sich Menschen nicht an. So wird verhindert, dass zu viele auf einmal ins Krankenhaus müssen. „Dummer Coronavirus“ grummelt er, während er mit blauer Kreide mehrere Viren auf den Boden malt und diese mit Mauern aus Stöcken und Steinen in Schach hält.

Mein Anderthalbjähriger versteht nicht, warum er Abstand halten soll. Auf einem eingezäunten, überschaubaren Gebiet wie dem Spielplatz lässt sich das trotzdem gut organisieren. Hier werden keine Hunde Gassi geführt, weder Fußgängerinnen noch Joggerinnen kreuzen unsere Wege. Begeistert buddelt er im Sand. Ich kann mich entspannen und mich meinem Großen widmen. Er vermisst es sehr, mit gleichaltrigen oder älteren Kindern zu spielen. Mit seinen Freund*innen.

Zwei Wochen später, Ende März, sind alle Spielplätze in Berlin geschlossen. Auf dem Weg neben unserem Spielplatz sitzt mein Großer niedergeschlagen auf einem Baumstumpf. Er hat ihn kunstvoll mit Tannenzapfen und ja, auch mit diversen Gegenständen „geschmückt“ hat, die ich normalerweise als Abfall bezeichnen würde. Sein Vater hat den kleinen Bruder gerade in die Wohnung hochgetragen. Wir sind alleine. Das passiert selten in letzter Zeit. Er fängt an zu weinen. „Mama, ich bin traurig.“ Ich frage ihn, warum. „Ich bin einfach traurig… Ich bin alleine.“ Nach einer Weile frage ich ihn: „Wenn du dir etwas wünschen könntest, was wäre das?“ Ohne zu zögern sagt er: „Dass Morgen das dumme Coronavirus tot ist. Dann kann ich wieder mit anderen Kindern spielen. Wieder auf den Spielplatz gehen.“

Jedes Mal, wenn ich das mit Absperrband verschlossene Tor des Spielplatzes sehe, frage ich mich, ob das wirklich notwendig ist. Warum wird uns Eltern nicht zugetraut, dass wir selbst einschätzen können, wann wir einen Spielplatz besuchen können und wann dort schon zu viele Eltern mit Kindern herumwuseln? In Parks und auf der Straße läuft es doch genauso. Nur lassen sich freies Spiel und Bewegung für Kinder häufig einfacher auf einem Spielplatz organisieren. Frei von Hundekacke, Autos, Glasscherben und Müll.

Anm. d. Red.: Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns die Nachricht, dass die Spielplätze in Berlin ab 30. April wieder öffnen. Eine überfällige Entscheidung.

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