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 Credit: David Wetzel

Gewerkschaften

»In den Krankenhäusern läuft nichts rund«

Zurzeit bekommen sie von allen Seiten Applaus. Doch den Pflegekräften in den Berliner Krankenhäusern reicht das nicht. Sie fordern vom Senat einen neuen Krankenhauspakt. Neuköllnisch hat mit dem Krankenpfleger David Wetzel gesprochen.

Notruf an eine abwesende Gesundheitssenatorin.

David Wetzel

David Wetzel (37) ist Mitglied der LINKEN in Neukölln und bei ver.di. Gemeinsam mit vielen Kolleg*innen kämpft der Charité-Krankenpfleger für bessere Arbeits- und Versorgungsbedingungen in den Berliner Krankenhäusern.

Wenn man dem Gesundheitsminister glauben darf, läuft in den Krankenhäusern alles rund. Wie ist die Situation wirklich?

In den deutschen Krankenhäusern läuft nichts rund: hoher Arbeitsdruck in nahezu allen Berufsgruppen, eklatanter Personalmangel und ein Fallpauschalensystem, welches mit würdevoller Daseinsvorsorge rein gar nichts zu tun hat. Und das ist die Bestandsaufnahme vor der Covid-19-Pandemie. Jetzt ist es zum Beispiel auf meiner Station so, dass die Schutzkleidung rationiert wird, also ein Mund-Nasenschutz pro Schicht. So können weder Patient*innen noch Personal ausreichend geschützt werden.

Gemeinsam mit vielen Kolleg*innen forderst du einen neuen Krankenhauspakt. Was erwartet ihr vom Senat?

Ausreichend Schutzkleidung für alle Beschäftigten aller Berufsgruppen zur Verfügung stellen. Wer besonders gefährdet ist, muss gegebenenfalls in anderen Bereichen eingesetzt werden. Das Land Berlin muss zusichern, die anfallenden Krisenkosten in den landeseigenen Krankenhäusern zu übernehmen und Einsparungen zu verhindern. Wir wollen einen Belastungszuschlag von 500 Euro pro Pandemie-Monat für alle Krankenhausbeschäftigten. Die Tochterunternehmen von Charité und Vivantes müssen sofort eingegliedert und in den TVÖD überführt werden.

Mitte April habt ihr Berliner Politiker zu einer virtuellen Versammlung eingeladen...

Ende März hatten wir innerhalb von einer Woche an den Standorten von Charité und Vivantes mehr als 4.500 Unterschriften für unsere Forderungen gesammelt. Bei einer Videokonferenz mit 20 Abgeordneten und über 300 Kolleg*innen haben wir diese Petition übergeben. Wir haben von unseren derzeitigen Arbeitsbedingungen berichtet und die Abgeordneten in die Pflicht genommen, unsere Forderungen nicht nur anzuhören, sondern auch umzusetzen.

Wie haben die Politiker*innen eure Forderungen aufgenommen?

Die Forderungen wurden durch die Bank als angebracht angesehen und nicht infrage gestellt, insbesondere die breite Zustimmung an unserer Kritik des DRG-Systems war etwas überraschend. Trotzdem gilt: Messen werden wir die Politiker*innen an ihrem Handeln.

Für den Fall, dass die Politik nicht handelt, droht ihr mit Protesten. Wie könnte das in der Corona-Krise aussehen?

Unser Vorteil ist: Wir können Krankenhausübergreifend und mit allen Berufsgruppen gemeinsam sprechen, was in normalen Tarifverhandlungen nicht möglich ist. Deshalb werden wir weiter zusammenstehen und unsere Rechte durchsetzen. Wir haben viel Aufmerksamkeit und einen Plan für die nächsten Wochen. Wir werden den Druck auf die Berliner Politik beständig erhöhen, und das Signal senden: Seht her, wir sind viele, wir werden mehr und wir sind unnachgiebig. Wir setzen Zeichen unserer Stärke mit Veröffentlichungen und Videos in traditionellen und sozialen Medien und vielleicht ja schon bald mit der ein oder anderen Aktion in der Öffentlichkeit.

Wie kann man euch in dieser Situation unterstützen?

Es gibt bereits einen Unterstützerinnenkreis mit Leuten aus dem Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus, von den Kritischen Medizinerinnen, von Fridays for Future Berlin und noch einige andere. Vor der Videokonferenz haben die beispielsweise auf allen Stationen angerufen, um nochmals auf den Termin aufmerksam zu machen. Das hat ganz gut Welle gemacht. Wer sich in den nächsten Wochen hier einbringen will, soll sich auf jeden Fall bei mir unter davidwetzel@hotmail.de melden.

Vielen Dank und viel Erfolg!

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