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 Credit: Dierk Schaefer / flickr.com

Rassismus

Rassismus als Blitzableiter

Als das neuartige Corona-Virus auch in Deutschland zur Bedrohung wurde, erfasste eine Welle von antiasiatischem Rassismus das Land. Bei Opferberatungsstellen gingen in wenigen Wochen Hunderte Berichte von Übergriffen ein: Asiatisch aussehende Personen wurden auf offener Straße beleidigt und bedrängt, am Arbeitsplatz gemobbt oder bekamen keine Arzt-Termine aufgrund ihres Namens oder ihrer Staatsbürgerschaft. Sogar Fälle tätlicher Gewalt wurden registriert.

Dierk Schaefer / flickr.com

Die allermeisten Betroffenen waren nie in ihrem Leben auch nur in der Nähe der zuerst vom Ausbruch zuerst betroffenen Regionen. Andererseits reisen jedes Jahr mehrere Hunderttausend Deutsche in den Urlaub oder zur Geschäftsreise nach China. Anhand der Gesichtszüge auf die Gefährlichkeit von Menschen zu schließen, ist also irrational. Die Betroffenen dienen hier als Blitzableiter für die Angst vor der Krankheit. Diese Blitzableiter-Funktion ist ein Grundprinzip von Rassismus.

Denselben Reflex finden wir in Gütersloh. Aufgrund der schamlosen Ausbeutung in den Schlachtbetrieben, haben sich dort zwischenzeitig Tausende Vertragsarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert. Niedrige Temperaturen, Gedränge am Fließband und enge Unterkünfte beförderten die schnelle Verbreitung. Nachdem der Landkreis einen neuen Lockdown über die Region verhängt hatte, wurden Autos mit rumänischen Nummernschildern angezündet. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte vorher »Rumänen und Bulgaren« für den Ausbruch verantwortlich gemacht und auch das Unternehmen Tönnies sah die Ursache bei »Wochenend-Besuche von Werksarbeitern in der Folge der Reiselockerungen«.

Der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falcko Liecke (CDU) zog ebenfalls die rassistische Karte, nachdem hier mehrere Wohnblöcke unter Quarantäne gestellt wurden: Die dort wohnende »Roma-Community« sei eine »schwierige Bevölkerungsgruppe«. Springers Morgenpost stimmte mit ein: »Bisher sind die Hauseingänge unbewacht. Ob sich alle Bewohner an die Quarantäne halten?« So werden Vorurteile geschürt und die Schuld auf die Betroffenen geschoben.

Solange über die vermeintlichen Eigenarten dieser Bevölkerungsgruppen spekuliert wird, spricht niemand über die eigentlichen Ursachen für die Ausbrüche: Armut und Ausbeutung. Arme Menschen verfügen über schlechtere medizinische Versorgung und können sich seltener gesundes Essen leisten. Sie haben weniger Zeit und Geld für Sport und Entspannung, wohnen beengt und sind stärkerem beruflichem und privatem Stress ausgesetzt. Sie leiden häufiger unter chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Herzleiden.

Der Zusammenhang von Armut und der Gefährlichkeit von Corona ist evident: Im Zeitraum vom 1. Januar bis 4. Juni kamen über zwei Drittel aller ins Krankenhaus eingelieferten Covid-19-Patienten aus einkommensschwachen Verhältnissen, wie eine Studie der Uniklinik Düsseldorf belegt. Die Wahrscheinlichkeit, in Folge von einer Corona-Erkrankung in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, ist demnach für Hartz-IV-Empfänger um 84,1 Prozent erhöht.

Wer nicht will, dass über Armut und Ausbeutung diskutiert wird, der lenkt die Diskussion auf bestimmte Arme und Ausgebeutete. Also zum Beispiel auf »Rumänen und Bulgaren« (Armin Laschet) oder die »Roma-Community« (Falcko Liecke). Ressentiments und Vorurteile sind billiger als Arbeitnehmerrechte und Sozialstaat. Dieser Blitzableiter funktioniert leider viel zu oft.

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Rassismus

Kein Generalverdacht

Neuköllnisch dokumentiert in Auszügen die Rede der Initiative Kein Generalverdacht bei der Demonstration am 26. Juni 2020

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Rassismus

Der Terror geht weiter: Nazi-Angriffe in Neukölln

»Kanake«, Hakenkreuz, 88 und HH-Markierungen – diese Nazipropaganda wurde in der Nacht zum 24. April in Neukölln auf der Grenze zu Tempelhof auf zwei Autos geschmiert, eines davon ein Taxi.

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Rassismus

Schluss mit Stigmatisierung und Schikane

Das ist die Überschrift des Einwohnerantrags, den die Initiative Kein Generalverdacht in die Neuköllner BVV einbringen möchte. Gefordert wird, was selbstverständlich sein sollte: ein respektvoller und rechtsstaatliche Prinzipien wahrender Umgang mit dem migrantischen Gewerbe.

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Rassismus

Üble Gerüchte korrigiert

Im April 2019 setzte Polizeireporter Philippe Debionne im Berliner Kurier ein besonders verleumderisches Gerücht in die Welt: Der seit 2012 unaufgeklärte Mord an Burak Bektaş sei eine Racheaktion für einen missglückten Raubüberfall gewesen. Die Faktenlage hinter dieser Story löste sich schnell in Luft auf.