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Barrikade im Jahr 1929 Prinz-Handjery-Straße in Berlin-Neukölln. Eine Leiter, Pflastersteine, Äste und Metallgegenstände sind auf der Straße aufgetürmt. Ein Soldat mit Gewehr im Anschlag. Credit:

Linke Geschichte

»Blutmai« 1929 in Neukölln: Ein tragisches Ereignis

Der 1. Mai 1929 ist als »Blutmai« auch in Neukölln in die Geschichte eingegangen. Er ruft die verhängnisvolle Entwicklung zur Machtübertragung an die Nazis 1933 in Erinnerung.

Straßenbarrikade in der Prinz-Handjery-Straße (heue Briesestraße) im Mai 1929, Berlin-Neukölln.

32 Tote – 198 Verletzte – 10.981 von der Polizei abgefeuerte Karabiner- und Pistolenschüsse – 1.228 Festnahmen – 32 Freiheitsstrafen. Das ist die „Bilanz“ der Durchsetzung des Verbots von Maidemonstrationen in Berlin durch den SPD-Polizeipräsidenten Zörgiebel im Jahr 1929. Zuvor wurden in der SPD-Presse „Fake-News“ über einen angeblich bevorstehenden kommunistischen Putsch veröffentlicht. Rund um den Alex, im Wedding und in Neukölln wurden insgesamt 13.000 schwerbewaffnete Polizisten gegen die Demonstranten eingesetzt.

Schüsse auf Unbewaffnete

Der Rollbergkiez galt in den 1920er Jahren als eine kommunistische „Hochburg“. Hier konzentrierte die Polizei ihren Einsatz. Bis in die Nacht zum 3. Mai fielen immer wieder Schüsse und forderten Opfer.

Der ehemalige Rotfrontkämpfer August erinnert sich: „Ich war in der Innenstadt. Das fing eigentlich am Alex an, vom Alex sind wir vertrieben worden und dann zogen wir zur Hermannstraße und da kam es zu den ersten Zusammenstößen mit der Polente und so. ... Ja, wir haben da „Der 1. Mai – die Straße frei“ gerufen und verschiedene haben da Steine geworfen und so kam eins zum anderen. Zuerst haben sie in die Luft geschossen und dann haben sie mang die Leute gehalten.“

Ein Journalist aus Chicago berichtet als Augenzeuge, wie auf unbewaffnete Menschen geschossen wurde: „Ich wurde in eine Kneipe gedrängt. Vor der Kneipe in der Hermannstraße stand ein Panzerauto, das wiederholt Salven mit seinem Maschinengewehr in Richtung Hermannplatz abgab.“

Polizei fabriziert Bürgerkrieg

Carl von Ossietzky kommentierte in der Zeitschrift „Weltbühne“ vom 7. Mai 1929: „ Schuldig ist nicht der einzelne erregte und überanstrengte Polizeiwachtmeister, sondern der Herr Polizeipräsident, der in eine friedliche Stadt die Apparatur des Bürgerkriegs getragen hat. Mehr als zwanzig Menschen mussten sterben, mehr als hundert ihre heilen Knochen einbüßen, nur damit eine Staatsautorität gerettet werden konnte, die durch nichts gefährdet war als durch die Unfähigkeit ihres Inhabers.“

Aus dem „Blutmai“ zogen vor allem die Nazis ihren Profit, weil die Spaltung der Arbeiterbewegung vertieft wurde. Die KPD verteufelt die SPD von nun an als „Sozialfaschisten“. Es folgt der als „Schwarzer Freitag“ bekannte Börsencrash, Massenarbeitslosigkeit. Im Januar 1933 errichten die Nazis ihre Terrorherrschaft.

Was können wir daraus lernen? Demonstrationsverbote und der Einsatz von Waffen lösen keine sozialen Probleme, sondern vertiefen sie. Und: der Kampf gegen Nazis konnte und kann nur gemeinsam gewonnen werden!

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